Freitag, 2. November 2012

Martin Walker, Schatten an der Wand


Ein geheimnisvolles Fundstück landet auf dem Schreibtisch einer jungen Kunsthistorikerin in einem Londoner Auktionshaus: ein Stein mit einer Höhlenzeichnung darauf. Der stammt nicht, wie die junge Frau zuerst denkt, aus den Höhlen von Lascaux, sondern aus einer anderen Höhle im Périgord, in der während der Résistancezeit eine bis in die Gegenwart nachwirkende Gewalttat begangen wurde.

Wer drei völlig verschiedene Bücher "in einem Buch" lesen will, sollte "Schatten an der Wand" lesen. Eigentlich wollte ich wissen, was Bruno, Chef de Police, erlebt und habe mich auf eine Begegnung mit ihm gefreut. Doch er taucht hier gar nicht auf und - ich gebe es zu - zunächst war ich leicht enttäuscht.
 Am Abend desselben Tages verschwindet das wertvolle Objekt aus dem Firmentresor. Martin Walkers früher Roman über die Entstehung einer prähistorischen Höhlenzeichnung, deren Verwicklung in blutige Kriege und Intrigen und den erbitterten Kampf von fünf Menschen, sie heute zu besitzen. Denn wer sie findet, erhält den Schlüssel zur Aufklärung eines Verbrechens, das bis in die höchste Politik reicht und von dem bis heute keiner wissen darf.
Wir lesen in der Gegenwart, hier kommen sich Manners und  die Kunsthistorikerin näher bei der Suche nach dem Fundstück: sehr französisch, tres elegant.
Wir lesen einen Kriegsroman: sehr männlich und sehr gewaltig. Und dann werden wir noch entführt in die Welt vor 17.000 Jahren, in die Urzeit der Menschen: sehr magisch.

Nachdem ich mich auf die verschiedenen Zeiten und Stile eingelassen habe, bin ich begeistert von der Fülle und Dichte dieses Buches. Der perfekte Schmöker für diese Herbsttage.
Lascaux


Mittwoch, 24. Oktober 2012

"Open City" von Teju Cole


ISBN 978-3-518-42331-8

Cool, sehr cool, ist dieses Buch im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Psychiater lebt in New York. Auf einsamen Spaziergängen streift er durch New York - und für vier Wochen durch Brüssel - und beobachtet, redet mit Menschen, entdeckt Museen, unbekannte Ecken. Er denkt nach, recherchiert, ohne Ziel oder Plan.
Sprachlich gelungen, tiefe Gedanken, verbunden mit einer gelangweilten Grundhaltung, einer relativ objektiven Sicht der Dinge.
Futter  für den Geist, inspirierend und anregend und für alle Fans von New York ein absolutes Muß!

Teju Cole ist Fotograf und Schriftsteller, ein Blick auf seine Homepage lohnt sich!
Teju Coles Homepage

"Das Schneemädchen" von Eowyn Ivey



Das Leben in Alaska ist sehr hart: es ist einsam, rau und unerbittlich.Mabel und Jack haben in dieser Wildnis einen Neuanfang gewagt, um über den Verlust eines Kindes und die Kinderlosigkeit hinwegzukommen. Sie versinken allerdings in Trauer und der gnadenlosen Einsamkeit. Bis sie eines Tages einen Schneemann bauen und den alten Übermut spüren. Am Tag darauf erscheint ein blondes Mädchen, das immer wieder auftaucht und ihnen näher kommt. Im Sommer verschwindet das Schneemädchen und im nächsten Winter steht es wieder vor der Tür. Ist es real oder eine Fee? Was mit den Lebensträumen anfangen?
Eine bezaubernde Geschichte über Kinderwunsch, Freundschaft und Liebe.
ISBN 978-3-463-50621-3

Wie viel Leben passt in eine Tüte?

Wie soll man weiterleben ohne die Fantasie und die Liebe seiner Mutter - ohne die Musik, die sie gehört hat und die vielen kleinen und großen Dinge, an die man ständig nach dem Tod erinnert wird. Was tun, wenn der Bruder weg ist und der Vater nur noch trinkt, man nicht mehr tanzen kann und Musik nicht mehr ertragen kann?
Es ist unvorstellbar, jemals wieder lachen und tanzen zu können, sich wieder am Leben zu freuen. Und doch  lernt Rose, zu überleben, weiterzuleben. Sie findet ein Survival-Kit mit verschiedenen Gegenständen, das ihre Mutter ihr hinterlassen hat und tastet sich - Schirtt für Schritt - in ihr neues Leben. Mit dabei im Gepäch ein iPod, den ihre Mutter ihr bespielt hat.
Ein nachdenkliches und frohes Buch - nicht nur für Jugendliche.

Leseprobe

"Ein wildes Herz" von Robert Goolrick



In manche Bücher würde man gerne hineinspringen und den Lauf der Dinge aufhalten, verändern, die Helden vor Unglück und Leiden bewahren. "Ein wildes Herz" beginnt geruhsam und entspannt, erzählt kraftvoll und ruhig, wie ein unruhiger Geist in der amerikanischen Provinz nach dem Krieg wieder Fuß faßt und sich niederläßt. Sein neues Leben läßt sich gut an in dieser Kleinstadt: er ist beliebt und geschätzt, vollbringt kleine und eine sehr große Heldentat. Und dann verliebt er sich und die Geschichte gewinnt an Tempo und wird atemberaubend - wie das Leben manchmal! Eine starke Geschichte.

Ach, und dann das Ende.

Übrigens ist auch das erste Buch von Goolrick "Eine verlässliche Frau" intensiv und verblüffend.
Unbedingt lesen!

Donnerstag, 27. September 2012

Sex ist verboten von Tim Parks / Können alle Wesen glücklich sein?

Tim Parks beschrieb in seinem letzten Buch die Erfahrungen, die er mit der "Kunst, stillzusitzen" gemacht hat. Es ist also bekannt, dass er in die Welt des Schweigens und Meditierens eingetaucht ist.
In diesem Buch nun lässt er seine Protagonistin vor ihrem Leben in einen Ashram flüchten. Sie arbeitet dort als helferin und versucht damit zurechtzukommen, dass sie in ihrem Leben vielen Menschen weg getan hat, sie benutzt hat, Exzesse selbstzerstörerich gelebt hat.
Nun ist sie in einem Ashram, in dem es Rauchen, Drogen, Sex, Schreiben und Stehlen verboten sind - zunächst eine wohltuende Übung für sie. Doch plötzlich findet Sie beim Saubermachen das Tagebuch eines männlichen Teilnehmers, das sie liest und woraufhin sie selbst zu schreiben beginnt. Und die Vergangenheit ist wieder da. Auf einmal ist sie genervt von den selbstverliebten Sprüchen des Gurus, sie verachtet die immer gelassenen Kursmanager, etc.
Auch das immer gelassene Reden über die buddistische Gelassenheit bringt sie in Rage.
Was als leicht ironisches Buch über Gurus und Ashrams beginnt, wird plötzlich atemlos und spannend. Beth, die Heldin, ist konfrontiert mit ihren Erinnerungen, ihrem Entsetzen über ihr Verhalten, ihr Leben und ihr "schlechtes" Karma, das sie angehäuft hat. Die Frage wird nun existenziell:
Kann man das Leben neu beginnen? Kann man frei werden von der Vergangenheit?  Ist das alles nur eine Illusion, was diese Gurus erzählen?
Die große Frage: "Können alle Wesen glücklich sein?"
"Kann ich glücklich sein?"
Ein faszinierendes, atembraubendes Buch und das Ende....


http://de.wikipedia.org/wiki/Tim_Parks

Sonntag, 2. September 2012

Der Sommer war schön - Hermann Hesse

August

Das war des Sommers schönster Tag,
Nun klingt er vor dem stillen Haus
In Duft und süßem Vogelschlag
unwiederbringlich leise aus.

In dieser Stunde goldnen Born
Gießt schwelgerisch in roter Pracht
Der Sommer aus sein volles Horn
Und feiert seine letzte Nacht.



Hermann Hesse